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Digital Factory Automation Interview – Dr. Thomas Boeckel, Siemens

Dr. Thomas Boeckel
Chief Financial Officer, Siemens AG

Dr. Thomas Boeckel
Chief Financial Officer, Siemens AG

Dr. Thomas Boeckel ist innerhalb der Siemens-Division „Digital Factory“ seit 2014 der CFO der Business Unit „Factory Automation“. Diese leistet als Weltmarktführer im Bereich Industrieautomatisierung einen wesentlichen Beitrag, damit produzierende Unternehmen – im Umfeld von Industrie 4.0 – die Transformation zu einem „Digital Enterprise“ erfolgreich meistern. Zuvor war er jeweils in kaufmännisch leitender Funktion (CFO) u.a. im Projektumfeld bei der Kraftwerksautomatisierung und in der Division für Energieübertragung tätig. Während seiner Ausbildung zum Diplom-Kaufmann an der Universität Erlangen-Nürnberg waren Betriebsinformatik, Statistik und Psychologie Schwerpunkte. Seine Tätigkeit bei Siemens startete er als Organisationsprogrammierer.

we.CONECT: Künstliche Intelligenz, selbstlernende Systeme: ist das noch Zukunftsmusik oder wie würden Sie die Aufstellung deutscher Unternehmen bzw. der Corporate Finance bei diesem Thema sehen?

Dr. Thomas Boeckel: Nein, das ist keine Zukunftsmusik mehr, auch wenn wir alle sicher noch am Anfang stehen. Aber in vielen Unternehmen wird damit experimentiert und es werden erste Erfahrungen gesammelt. Dabei verschwimmen auch Grenzen zwischen Anwendungen im Finanzbereich und eher technisch oder vertrieblich geprägten Anwendungen. Mir selbst fehlt der Überblick über die Aktivitäten deutscher Unternehmen. Aber von meinen Kontakten weiß ich, dass viele große Unternehmen das Thema aufgegriffen haben.

we.CONECT: Welche Voraussetzungen müssen geschaffen sein, um solche Technologien zum Einsatz zu bringen?

Dr. Thomas Boeckel: Ganz wesentlich ist, dass es Top-Führungskräfte gibt, die die Möglichkeiten dieser Technologien positiv einschätzen, und dann auch bereit sind, Geld und Ressourcen in den iterativen Lern- und Entwicklungsprozess zu investieren. Für eine gute Durchdringung müssen geeignete erste (kleine) Anwendungsfälle gefunden werden, die dann die Basis für die weitere Überzeugungsarbeit im Unternehmen bilden können.

we.CONECT: Welche Chancen bzw. Risiken sehen Sie in einer digitalisierten und automatisierten Corporate Finance?

Dr. Thomas Boeckel: Wir werden sukzessive sehr viele mögliche Anwendungsfälle finden, die die Durchdringung unseres Geschäfts deutlich verbessern und damit die Qualität und die Geschwindigkeit von Entscheidungen wesentlich erhöhen. Damit verbunden entstehen auch Chancen zu erhöhter Automatisierung und Produktivität. Wesentliche Risiken entstehen einerseits aus den heute teilweise unzulänglichen Datenbasen und andererseits aus der u.U. überstürzten und nicht-qualitätsgesicherten Einführung/Nutzung dieser neuen Methoden. Dies erhöht dann die Gefahr von Fehleinschätzungen und daraus folgend falschen Entscheidungen/Prognosen.

we.CONECT: Auf welche Investitionen müssen sich Unternehmen Ihrer Meinung nach einstellen?

Dr. Thomas Boeckel: Im Wesentlichen werden sich am Anfang die Investitionen auf entsprechende Fachkräfte mit dem notwendigen mathematischen und statistischen Hintergrund sowie die inhaltliche und technologische Absicherung der Datenbereitstellung fokussieren müssen. Damit einhergehend werden wir uns mit „Change Management“, also der Weiterentwicklung von Organisation, Prozessen und Menschen beschäftigen müssen.

we.CONECT: Wie nehmen Sie Ihre Mitarbeiter auf diese Reise mit?

Dr. Thomas Boeckel: Grundsätzlich haben wir im Team die digitale Ausrichtung unserer Einheit definiert und in Roadmaps hinterlegt. Auf der Basis erarbeiten wir gemeinsam im Team konkrete Anwendungsfälle, die dann von jeweils einem verantwortlichen Projektleiter in die Umsetzung gebracht werden. Weiterhin haben wir gezielt neue fachliche Anforderungen identifiziert und vereinbaren gemeinsam entsprechende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

we.CONECT: Vielen Dank für das Interview!

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