Interviews, Manufacturing

Josef Manner & Comp. AG: Holistisches Qualitätsmanagement & Leadership

Thomas Gratzer
Vorstand Produktion & Technik, Josef Manner & Comp. AG

Thomas Gratzer ist seit Juni 2014 Vorstand für Produktion & Technik bei der Josef Manner & Comp. AG in Wien. Im Rahmen seiner 22-jährigen Berufslaufbahn in der Lebensmittelindustrie hat er fundierte Erfahrungen vom Abteilungsleiter bis zum Gesamtproduktionsleiter und Werksleiter gesammelt. Durch seine vielfältigen Tätigkeiten in der Süß- und Backwarenindustrie verfügt Thomas Gratzer über umfassendes Know-how in Produktion &Technik, Produktentwicklung, Lean Production und Leadership. Mit ca. 700 Mitarbeitern in 2 Werken zählt Manner zu den renommiertesten Süßwarenherstellern im deutschsprachigen Raum.

we.CONECT: Auf der Rethink! SPMS 2016 präsentieren Sie die Keynote: „Holistisches Qualitätsmanagement & Leadership“. Was sind die aktuellen Herausforderungen an ein Qualitätsmanagement?

Thomas Gratzer: Qualitätsmanagement ist immer eine Herausforderung. Es gilt ein Qualitätsmanagementsystem soweit zu perfektionieren, dass z.B. bei der Digitalisierung eines Wertstroms, Abweichungen und Fehler rechtzeitig erkannt und nicht mitdigitalisiert werden bzw. im Vorfeld weitgehend eliminiert werden.

Warum fiel die Entscheidung, Ihr Werk im urbanen Raum zu erweitern?

Die Schutzmarke der Manner Waffel ist der Stephansdom. Somit liegt es auf der Hand in Wien zu produzieren. Außerdem geben wir damit ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Wien.

Was sind die entscheidenden Unterschiede im Produktionsprozess bei einem Werk auf der grünen Wiese und im urbanen Raum?

Wir sind gerade dabei, einen vertikalen Wertstrom umzusetzen. Diese Idee ist nicht neu, es gab bereits um 1900 schon vertikale Wertströme. Wir sind der Meinung, dass vertikal zu produzieren genau so effizient ist wie horizontal. Durch die Reduktion von Stützleistung wollen wir nicht wertschöpfende Tätigkeiten auf ein Minimum reduzieren.

Was sind potenzielle Kostentreiber in Ihrem Produktionsprozess?

Ganz klar die Rohstoffkosten, die Märkte werden immer volatiler, gefolgt von den Personalkosten.

Wie können Sie den Qualitätsanspruch an Ihre Mitarbeiter weitergeben und wie wird dieser umgesetzt?

Die Voraussetzung dafür liegt im gegenseitigen Wechselspiel von Loyalität und Leistung zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. Nur so kann langfristig gewährleistet werden, die besten Köpfe im Unternehmen zu halten. Wir investieren sehr stark in die Qualifikation unserer Mitarbeiter.

Wie wird Industrie 4.0 die Produktionslandschaft verändern? Welche Auswirkungen auf die Personalstruktur können Sie diesbezüglich benennen?

Größere Unternehmen die sich kein effizientes Produktionssystem angeeignet haben, werden mittelfristig nicht mehr überleben. In vielen Betrieben muss noch 2.0 und 3.0 perfektioniert werden. TPM Systeme sind meist nicht nachhaltig implementiert. Zuerst müssen die Voraussetzungen und Hausaufgaben für 4.0 geschaffen und umgesetzt werden.

Die Hierarchien werden flacher, die Teams interdisziplinärer, die Arbeitszeiten flexibler. Es wird immer schwieriger die richtigen Personen fürs Unternehmen zu finden. Jene Mitarbeiter mit hoher technischer Qualifikation bekommt man nur schwer, Mitarbeiter mit geringer Qualifikation werden kurz und mittelfristig keine Chance am Arbeitsmarkt haben. Das Führungsverhalten in Unternehmen ändert sich nicht so schnell wie der technische Fortschritt. Das wird so manches Unternehmen vor große Herausforderungen stellen.

Welche Top 3 Herausforderungen erwarten Sie für den Bereich Produktion in den kommenden 12 Monaten?

Wir haben nur ein Top Thema – Unseren großen Umbau erfolgreich abzuschließen.

Vielen Dank für das Interview!

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