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MANN+HUMMEL: Mega-Akquisitionen im Mittelstand

Emese Weissenbacher
CFO, MANN+HUMMEL

Emese Weissenbacher
CFO, MANN+HUMMEL

Im Vorfeld zur Rethink! Corporate Finance 2017 sprach we.CONECT mit Emese Weissenbacher, CFO bei MANN+HUMMEL u.a. über Mega-Akquisitionen im Mittelstand. Frau Weissenbacher hat einen sehr internationalen Lebenslauf, arbeitet gleichzeitig aber schon seit dem Jahr 1994 für MANN+HUMMEL. Unmittelbar nach dem Studienabschluss startete Emese Weissenbacher als Praktikantin in der Personalabteilung. Anschließend bewährte sie sich in den unterschiedlichsten Bereichen wie dem Controlling und dem Marketing und übernahm schließlich die Gesamtverantwortung für einzelne Produktionsstandorte, darunter ein großes Filterwerk in Tschechien. Nach ihrem Wechsel in die erweiterte Geschäftsleitung war Weissenbacher für insgesamt sieben Werke mit 3.000 Mitarbeitern verantwortlich.

we.CONECT: Auf der Rethink! Corporate Finance 2017 präsentieren Sie die Case Study: „Mega-Akquisitionen im Mittelstand: So macht Corporate Finance M&A Projekte erfolgreich“. Welche Herausforderungen sind Ihnen mit der Übernahme der Affinia Gruppe begegnet?

Emese Weissenbacher: Erstens: Die Finanzierung – MANN+HUMMEL hat im Zuge der Übernahme seinen ersten Schuldschein emittiert. Es war der bis dato drittgrößte jemals begebene Schuldschein – nach ZF und BMW. Zweitens: Die Kommunikation – ob Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten oder die Öffentlichkeit, es galt über Beweggründe und Auswirkungen der größten Akquisition in der Unternehmensgeschichte zu informieren. Drittens: Die Integration – vier tausend neue Mitarbeiter, neue Märkte, andere Länder. Auf kulturelle und strukturelle Unterschiede haben wir uns eingestellt.

we.CONECT: Welche Rolle spielte die Finanzorganisation bei einer Akquisition in dieser Größenordnung?

Emese Weissenbacher: Natürlich haben wir die Akquisition im Vorfeld umfangreich auf Stärken und Schwächen geprüft. Auch die Auswahl aus verschiedenen Finanzierungsoptionen hat die Finanzorganisation vorbereitet. Zusätzlich hat MANN+HUMMEL im Zuge der Akquisition die externe Rechnungslegung von HGB auf IFRS umgestellt. Affinia hat nach USGAAP bilanziert und hätte nach der Integration in die MANN+HUMMEL Gruppe auch einen HGB Abschluss erstellen müssen. US-GAAP und IFRS sind sich ähnlicher. Die steueroptimierte Integration in die rechtliche Struktur der Gruppe lag ebenfalls in der Verantwortung der Finanzorganisation.

we.CONECT: Wie lief die Finanzierung der Übernahme ab?

Emese Weissenbacher: Die Übernahme der Affinia Group wurde im August 2015 mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages verbindlich beschlossen. Wie bei solchen Transaktionen üblich, stand die Übernahme zunächst unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung. Bereits im Vorfeld wurde die Kaufpreiszahlung durch einen Konsortialkredit mit vier Banken abgesichert. Zur Reduzierung der hohen Einzelzusagen der vier Banken haben wir anschließend ein Schuldscheindarlehen am Kapitalmarkt vorbereitet. Geplant waren zunächst 400 Millionen Euro. Letztlich haben 160 Investoren bis zu 1,6 Milliarden Euro geboten. Das Schuldscheindarlehen war dreifach überzeichnet. 1,1 Milliarden Euro hat MANN+HUMMEL ausgewählt. Im Mai 2016 erfolgte nach der letzten Kartellgenehmigung die Kaufpreiszahlung und damit der eigentliche Abschluss der Übernahme.

we.CONECT: Welche neuen Anforderungen und Aufgaben muss der CFO bewältigen?

Emese Weissenbacher: Der CFO muss eine aktive Rolle bei der Gestaltung des Unternehmens einnehmen und die Unternehmensstrategie mitgestalten. Die Verkürzung der Produktlebenszyklen und die Zunahme der Risiken an den Finanzmärkten machen unser Umfeld volatiler und komplexer. Wir stehen vor der Herausforderung, die Chancen des Wandels wertsteigernd zu nutzen. Darüber hinaus muss die Finanzorganisation agiler und flexibler werden, um für die schnelle Integration von neuen Unternehmen und die Herausforderungen des digitalen Zeitalters gerüstet zu sein. Auch in der Mitarbeiterentwicklung ist der CFO gefragt. Beispielsweise ändern sich die Anforderungen an Controller. War früher vorwiegend fachliches und analytisches Wissen gefordert, müssen Controller heute unternehmerisch denken. Dafür brauchen sie mehr soziale Kompetenzen und Führungsfähigkeiten.

we.CONECT: Vielen Dank für das Interview!

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