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What Germany gets RIGHT and WRONG

Die letzten drei Jahre verbrachte Dr. Burton H. Lee, Experte der Stanford School of Engineering, damit, mittelständische Unternehmen, Universitäten und Regierungseinrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum zu besuchen, zu analysieren und zu beraten. Drei Jahre, in dem der Innovationsexperten aus dem Silicon Valley Rückschlüsse daraus zieht, wie Innovation in Deutschland und Europa verstanden und gelebt wird.

Die Frage, die ihn dabei beschäftigte: Zwar ist Digitalisierung in aller Munde, aber warum muss sich die deutschsprachige Industrie fürchten, von den bedeutenden innovativen technologischen Entwicklungen abgehängt zu werden? Lee betrachtete kritisch, wie Unternehmen ihre digitale Strategie grundsätzlich verstehen: nämlich als verlängerter Arm der Industrie 4.0 Ansätze und als Teil eines limitierten digitalen europäischen Binnenmarktes. Seiner Meinung nach nimmt Europa das Thema Software als strategisches Instrument nicht ernst genug, weder im akademischen Bereich, noch bei Unternehmen und schon gar nicht auf Regierungsebene. Zum anderen stellt sich die Frage nach dem restriktiven Umgang mit Daten und der damit verbundenen verminderten Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Wie wollen sich Unternehmen positionieren, die bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz jetzt schon abgehängt worden sind?

Was muss sich grundsätzlich ändern? Welche Mentalität setzt das voraus? Der Innovationsexperte sieht Europa als einen sehr Hardware-getriebenen Kontinent. Die starke europäische Maschinenbautradition und Mentalität stehen für das Bauen, das Machen und Handarbeit sowie das Produzieren von Geräten. Virtuelles bzw. Digitales wie Software zu entwickeln, ist historisch keine europäische Domäne. Dabei wäre es von größter strategischer Bedeutung, wenn der Markt über eine starke Consumer- und Enterprise- Softwareinnovation verfügen würde. Das setzt wiederum einen lokalen Markt voraus, in dem neue Entwicklungen von Benutzern schnell und weitgehend getestet werden können. Start-ups als Innovationsmotoren, die Produkte und Dienstleistungen entwickeln und testen können, müssten hier genauso gefördert werden wie im Silicon Valley und auch das direkte Feedback vom Markt bekommen. Zuallererst würde das jedoch einen Mentalitätswandel bedeuten: hin zu einer trial & error Kultur, offen für Mut zum Scheitern oder auch: einfach machen.

Wie kann das gelingen? Dr. Burton Lee wird dazu in seiner Keynote bei der Rethink! IT 2017 am 18. September in Berlin reflektieren: Ansätze, Strategien, Rahmenbedingungen und Mindset rund um die Themen Software, Künstliche Intelligenz und Computer Science. Man darf gespannt sein: welche Schwächen, aber auch welche Stärken verstecken sich hinter der europäischen digitalen Initiative?

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